Röntgenstrahlung: Unterschied zwischen den Versionen
Dg (Diskussion | Beiträge) (→Gefahren) |
|||
(10 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[Bild:Körperbild.jpg|300px|right]] | [[Bild:Körperbild.jpg|300px|right]] | ||
− | |||
− | |||
− | |||
<div style="text-align: right;"> | <div style="text-align: right;"> | ||
<br />Ganzkörper-Röntgen-Scan <br />(links Knochen, rechts Weichteile) | <br />Ganzkörper-Röntgen-Scan <br />(links Knochen, rechts Weichteile) | ||
</div> | </div> | ||
+ | ==Definition== | ||
− | |||
Röntgen ist die Einheit der Ionendosis. Kurzzeichen: R. Die Ionendosis | Röntgen ist die Einheit der Ionendosis. Kurzzeichen: R. Die Ionendosis | ||
− | von 1 Röntgen liegt vor, wenn durch Gamma- oder Röntgenstrahlung in 1 | + | von 1 Röntgen liegt vor, wenn durch Gamma- oder Röntgenstrahlung in 1 cm³ |
− | trockener Luft unter Normalbedingungen (1,293 mg Luft) eine Ionenmenge von einer | + | trockener Luft unter [[Normalbedingungen]] (1,293 mg Luft) eine Ionenmenge von einer |
elektrostatischen Ladungseinheit erzeugt wurde. | elektrostatischen Ladungseinheit erzeugt wurde. | ||
Die Einheit Röntgen war noch bis Ende 1985 amtlich zugelassen. Die neue Einheit | Die Einheit Röntgen war noch bis Ende 1985 amtlich zugelassen. Die neue Einheit | ||
Zeile 16: | Zeile 13: | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
+ | |||
[[Bild:Wilhelm_Roentgen public domain pix.gif|200px|right]] | [[Bild:Wilhelm_Roentgen public domain pix.gif|200px|right]] | ||
− | + | Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg die unsichtbaren Strahlen. Ausgehend von dieser Entdeckung entwickelte Carl Heinrich Florenz Müller gemeinsam mit Ärzten die erste wassergekühlte [[Anode]]. | |
− | |||
− | |||
− | |||
− | |||
+ | Seit über 100 Jahren ist "Röntgen" in Form der Röntgendurchleuchtung und Röntgenaufnahme die Grundlage vieler medizinischer Untersuchungen. <br />Moderne medizinische Diagnoseverfahren wie Computertomographie, Emissions-Computertomographie, Magnetresonanztomographie, <br />Sonographie und Subtraktionsangiographie basieren letztlich auf Entwicklungen der röntgenologischen Bildverarbeitung. | ||
<div style="text-align: right;"> | <div style="text-align: right;"> | ||
Zeile 28: | Zeile 23: | ||
(1845-1923) | (1845-1923) | ||
</div> | </div> | ||
+ | |||
==Erzeugung der Röntgenstrahlung== | ==Erzeugung der Röntgenstrahlung== | ||
Zeile 46: | Zeile 42: | ||
(Bewegungs-) Energie in | (Bewegungs-) Energie in | ||
Röntgenstrahlung zu etwa 1 % und Wärme (zu etwa 99 %) umgewandelt. | Röntgenstrahlung zu etwa 1 % und Wärme (zu etwa 99 %) umgewandelt. | ||
− | + | ||
===Röntgenröhre=== | ===Röntgenröhre=== | ||
Zeile 54: | Zeile 50: | ||
====Anode==== | ====Anode==== | ||
+ | |||
Wenn zwischen Kathode (negativ) und Anode (positiv) Hochspannung anliegt, werden die | Wenn zwischen Kathode (negativ) und Anode (positiv) Hochspannung anliegt, werden die | ||
Elektronen in Richtung auf die Anode beschleunigt und treffen dort mit hoher Geschwindigkeit | Elektronen in Richtung auf die Anode beschleunigt und treffen dort mit hoher Geschwindigkeit | ||
Zeile 82: | Zeile 79: | ||
Drehanodenröhren. Durch die Rotation der Anode wird die Erwärmung auf eine größere | Drehanodenröhren. Durch die Rotation der Anode wird die Erwärmung auf eine größere | ||
Fläche verteilt als bei Festanodenröhren. | Fläche verteilt als bei Festanodenröhren. | ||
+ | |||
====Kathode==== | ====Kathode==== | ||
− | Die Kathode ist die Quelle der Elektronen. Diese werden vom | + | |
− | Fokussierung der Elektronen, d.h. zur Bildung eines scharf begrenzen Brennnflecks auf der | + | Die [[Kathode]] ist die Quelle der Elektronen. Diese werden vom Glühfaden emittiert. Zur |
+ | Fokussierung der Elektronen, d. h. zur Bildung eines scharf begrenzen Brennnflecks auf der | ||
Anode, enthält die Kathode die Wehnel-Elektrode (auch: Wehnelt-Zylinder). | Anode, enthält die Kathode die Wehnel-Elektrode (auch: Wehnelt-Zylinder). | ||
Die Heizspannung für die G1ühwendel liefert ein Heiztransformator, der im Hochspannungserzeuger | Die Heizspannung für die G1ühwendel liefert ein Heiztransformator, der im Hochspannungserzeuger | ||
Zeile 92: | Zeile 91: | ||
elektrischen Leitungen zwischen Hochspannungserzeuger und Röhre sind dann von außen | elektrischen Leitungen zwischen Hochspannungserzeuger und Röhre sind dann von außen | ||
nicht sichtbar. | nicht sichtbar. | ||
+ | |||
Die G1ühwendel glüht wie die Wendel einer G1ühlampe und emittiert dabei Elektronen und | Die G1ühwendel glüht wie die Wendel einer G1ühlampe und emittiert dabei Elektronen und | ||
zwar um so mehr, je höher ihre Temperatur ist. Die Elektronen bilden den Röhrenstrom der | zwar um so mehr, je höher ihre Temperatur ist. Die Elektronen bilden den Röhrenstrom der | ||
Röntgenröhre. Die Heizleistung bestimmt also die Größe des Röhrenstroms und damit die | Röntgenröhre. Die Heizleistung bestimmt also die Größe des Röhrenstroms und damit die | ||
Quantität (Dosisleistung) der Röntgenstrahlung. | Quantität (Dosisleistung) der Röntgenstrahlung. | ||
+ | [[Bild:Rontgenrohre.jpg|600px|center]] | ||
==Anwendungen== | ==Anwendungen== | ||
===Medizin=== | ===Medizin=== | ||
+ | |||
[[Bild:homer.jpg|150px|right]] | [[Bild:homer.jpg|150px|right]] | ||
Eine Untersuchung mittels Röntgenstrahlen wird hauptsächlich im Rahmen der medizinischen Diagnostik durchgeführt. Bei Verdacht auf Knochenbrüche, Krebserkrankungen, Fremdkörper oder Anomalien im Gefäßsystem des Menschen kann eine Röntgen-Untersuchung einen ersten Hinweis liefern oder bereits eine deutliche Diagnose ermöglichen. Im Prinzip kann jede Region des Körpers geröntgt werden, wobei die Qualität und Aussagekraft des jeweiligen Bilds stark von der Dichte des untersuchten Gewebes abhängt. Die korrekte Ausrichtung von zu untersuchendem Organ und Röntgengerät spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Qualität des Bilds. | Eine Untersuchung mittels Röntgenstrahlen wird hauptsächlich im Rahmen der medizinischen Diagnostik durchgeführt. Bei Verdacht auf Knochenbrüche, Krebserkrankungen, Fremdkörper oder Anomalien im Gefäßsystem des Menschen kann eine Röntgen-Untersuchung einen ersten Hinweis liefern oder bereits eine deutliche Diagnose ermöglichen. Im Prinzip kann jede Region des Körpers geröntgt werden, wobei die Qualität und Aussagekraft des jeweiligen Bilds stark von der Dichte des untersuchten Gewebes abhängt. Die korrekte Ausrichtung von zu untersuchendem Organ und Röntgengerät spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Qualität des Bilds. | ||
Zeile 105: | Zeile 107: | ||
===Materialprüfung=== | ===Materialprüfung=== | ||
− | Die radiologische Prüfung findet dann Anwendung, wenn es gilt, makroskopische Fehler im Inneren der Werkstücke, wie Lunker, Gasblasen, Bindefehler an Schweißnähten u. a., festzuhalten. Das Verfahren ermöglicht die genaue Lage und Ausdehnung des Fehlers zu bestimmen und fotografisch festzuhalten. Röntgenstrahlung unterscheidet sich | + | |
+ | Die radiologische Prüfung findet dann Anwendung, wenn es gilt, makroskopische Fehler im Inneren der Werkstücke, wie Lunker, Gasblasen, Bindefehler an Schweißnähten u. a., festzuhalten. Das Verfahren ermöglicht die genaue Lage und Ausdehnung des Fehlers zu bestimmen und fotografisch festzuhalten. Röntgenstrahlung unterscheidet sich vom sichtbaren Licht durch ihre wesentlich kürzere [[Wellenlänge]] und damit höherer [[Energie]], die eine Durchdringung fester Stoffe ermöglicht. Die Strahlung wird dabei geschwächt. Kurzwellige, d. h. harte Strahlen sind durchdringungsfähiger als langwellige weiche Strahlen. Deshalb lassen sich mit Gammastrahlung (harte Strahlen) dickere Werkstücke durchstrahlen. Die Größe der auf der Rückseite des durchstrahlten Werkstückes austretenden Strahlung ist abhängig von:<br /> | ||
1. der Dicke<br /> | 1. der Dicke<br /> | ||
2. der Wellenlänge der Strahlung<br /> | 2. der Wellenlänge der Strahlung<br /> | ||
3. der Art des Werkstoffes<br /> | 3. der Art des Werkstoffes<br /> | ||
Metallische Werkstoffe mit hoher Ordnungszahl sind deshalb nur gering durchstrahlbar (Blei, Wolfram). Die maximal durchstrahlbare Dicke von Eisenwerkstoffen beträgt mit Gammastrahlung 200mm, mit Röntgenstrahlung 100mm. Prüftechnik und Aufnahmeprinzip sind bei Röntgen- und Gammaprüfung identisch. Die aus dem Prüfling austretende, geschwächte Strahlung trifft auf eine doppelt beschichtete Filmfolie und die Imtensitätsunterschiede der ausgetretenen Strahlung setzen sich in Schwärzungsunterschiede des Films um. Das Auflösungsvermögen wird mit Drähten definierter Dicke oder Stufenkeilen ermittelt. | Metallische Werkstoffe mit hoher Ordnungszahl sind deshalb nur gering durchstrahlbar (Blei, Wolfram). Die maximal durchstrahlbare Dicke von Eisenwerkstoffen beträgt mit Gammastrahlung 200mm, mit Röntgenstrahlung 100mm. Prüftechnik und Aufnahmeprinzip sind bei Röntgen- und Gammaprüfung identisch. Die aus dem Prüfling austretende, geschwächte Strahlung trifft auf eine doppelt beschichtete Filmfolie und die Imtensitätsunterschiede der ausgetretenen Strahlung setzen sich in Schwärzungsunterschiede des Films um. Das Auflösungsvermögen wird mit Drähten definierter Dicke oder Stufenkeilen ermittelt. | ||
− | + | ||
− | + | ||
===Sicherheit=== | ===Sicherheit=== | ||
+ | Schon seit geraumer Zeit wird die Röntgentechnologie auch in Gepäckscannern an Flughäfen eingesetzt, um die Gefahr eines Bombenanschlages zu verringern. Neuer sind da die Ganzkörper-Röntgen-Scanner, die den ganzen Menschen abscannt und alles was er bei sich trägt. | ||
+ | |||
+ | Auch das Röntgen ganzer Lkws ist möglich, um Ladungen zu überprüfen.[[Bild:truckröntgen.jpg|800px|center]] | ||
+ | |||
==Gefahren== | ==Gefahren== | ||
− | Die Röntgenstrahlung wirkt auf den Menschen schädigend ein, indem Gewebe -und damit auch Organe- irreversibel verändert, wenn nicht zerstört werden. Auch das Blut kann geschädigt werden. Verheerend ist die krebserregende und erbgutschädigende Wirkung, wobei sich die einzelnen, im Laufe des Lebens erhaltenen Strahleneinwirkungen (Strahlendosen) addieren und sich nach dem heutigen Stand der Medizin nicht beseitigen lassen. Grundsätzliche Maßnahmen für den Strahlenschutz sind: | + | |
− | + | Die Röntgenstrahlung wirkt auf den Menschen schädigend ein, indem Gewebe -und damit auch Organe- irreversibel verändert, wenn nicht zerstört werden. Auch das Blut kann geschädigt werden. Verheerend ist die krebserregende und erbgutschädigende Wirkung, wobei sich die einzelnen, im Laufe des Lebens erhaltenen Strahleneinwirkungen (Strahlendosen) addieren und sich nach dem heutigen Stand der Medizin nicht beseitigen lassen. Grundsätzliche Maßnahmen für den Strahlenschutz sind: | |
− | + | # möglichst '''großer Abstand''' von der Strahlenquelle | |
− | + | # geeignete '''Abschirmung''' | |
+ | # Begrenzung der Aufenthaltszeit | ||
In der Röntgenverordnung sind alle einzuhaltenden Sicherheitsbestimmungen grundlegend festgelegt. | In der Röntgenverordnung sind alle einzuhaltenden Sicherheitsbestimmungen grundlegend festgelegt. | ||
− | == | + | == Messung von Röntgenstrahlung == |
− | + | * [[Strahlungsmessgerät]] | |
+ | |||
+ | {{www}} | ||
+ | * Egon Becker: Grobstrukturprüfung mittels Röntgenstrahlung | ||
+ | * H. Krischer- Röntgenfeinstrukturanalyse | ||
+ | * Hoxter/ Schenz: Röntgenaufnahmetechnik | ||
+ | * Manfred Wolf: Röntgen-Generatoren | ||
+ | [[Kategorie:Physik]] |
Aktuelle Version vom 3. Februar 2018, 17:15 Uhr
Ganzkörper-Röntgen-Scan
(links Knochen, rechts Weichteile)
Inhaltsverzeichnis
Definition
Röntgen ist die Einheit der Ionendosis. Kurzzeichen: R. Die Ionendosis von 1 Röntgen liegt vor, wenn durch Gamma- oder Röntgenstrahlung in 1 cm³ trockener Luft unter Normalbedingungen (1,293 mg Luft) eine Ionenmenge von einer elektrostatischen Ladungseinheit erzeugt wurde. Die Einheit Röntgen war noch bis Ende 1985 amtlich zugelassen. Die neue Einheit der lonendosis ist Coulomb durch Kilogramm (C/kg).
Geschichte
Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg die unsichtbaren Strahlen. Ausgehend von dieser Entdeckung entwickelte Carl Heinrich Florenz Müller gemeinsam mit Ärzten die erste wassergekühlte Anode.
Seit über 100 Jahren ist "Röntgen" in Form der Röntgendurchleuchtung und Röntgenaufnahme die Grundlage vieler medizinischer Untersuchungen.
Moderne medizinische Diagnoseverfahren wie Computertomographie, Emissions-Computertomographie, Magnetresonanztomographie,
Sonographie und Subtraktionsangiographie basieren letztlich auf Entwicklungen der röntgenologischen Bildverarbeitung.
Wilhelm Conrad Röntgen
(1845-1923)
Erzeugung der Röntgenstrahlung
Röntgenstrahlen entstehen, wenn Elektronen mit hoher Geschwindigkeit auf Materie auftreffen . Auf diese hohe Geschwindigkeit werden die Elektronen im Vakuum der Röntgenröhre dadurch beschleunigt daß sie nach ihrem Austritt aus der Kathode, ein durch Röhrenspannung erzeugtes elektrisches Feld zwischen Kathode und Anode durchlaufen.In der Röntgendiagnostik liegt diese Röhrenspannung (meist kurz als ‚k‘ oder kV-Wert“ bezeichnet) im Bereich von 25 bis 150 kV (1 kV = 1000 Volt). Den Auftreffpunkt der Elektronen auf der Anode bezeichnet man als Brennfleck oder Fokus. Erzeugung der Röntgenstrahlung im Brennfleck der Anode. Nach Durchlaufen des elektrischen Feldes der Röhrenspannung U prallen die Elektronen auf die Anode: dabei wird ihre kinetische (Bewegungs-) Energie in Röntgenstrahlung zu etwa 1 % und Wärme (zu etwa 99 %) umgewandelt.
Röntgenröhre
Die Röntgenröhre ist das evakuierte Glas- oder Glas-Metall-Gefäß, mit den beiden Elektroden Kathode und Anode, in dem die Röntgenstrahlung erzeugt wird. Das Vakuum der Röntgenröhre ist ein Hochvakuum in dem ein Luftdruck von nur 10^-5 mbar herrscht.
Anode
Wenn zwischen Kathode (negativ) und Anode (positiv) Hochspannung anliegt, werden die Elektronen in Richtung auf die Anode beschleunigt und treffen dort mit hoher Geschwindigkeit (etwa 150000 km/s !) auf. Die Stelle, wo sie auftreffen, wird als (elektrischer) Brennfleck oder Fokus bezeichnet. (Als Fokus wird manchmal auch nur der Mittelpunkt des flächenförmigen Brennflecks bezeichnet.)Im Brennfleck wird etwa 1 % der Elektronenenergie in Röntgenstrahlung und der Rest von 99 % in Wärme umgesetzt. Infolge dieses schlechten Wirkungsgrades entstehen Temperaturen bis etwa 2500°C. Im Routinebetrieb wird häufig die ganze Anode rotglühend. Das Anodenmaterial muß deshalb einen hohen Schmelzpunkt haben. Auch ist eine hohe Ordnungszahl günstig, da der Wirkungsgrad der Röntgenstrahlerzeugung mit höheren Ordnungszahlen ansteigt. Das beste Anodenmaterial ist Wolfram. Es hat den höchsten Schmelzpunkt (3370°C) aller Metalle und eine hohe Ordnungszahl Z=74. Häufig werden Wolframlegierungen mit Rhenium verwendet; sie enthalten etwa 1O% Rhenium, sind dadurch elastischer als reines Wolfram und neigen bei den hohen thermischen (und infolge der Wärmeausdehnung auch mechanischen) Beanspruchungen weniger zur Rissebildung an der Anodenoberfläche. Dies ist wichtig, denn Aufrauhungen der Anode reduzieren die Dosisausbeute. Die Forderungen nach kürzeren Aufnahmezeiten (kleine Bewegungsunschärfe!) und nach kleineren Brennflecken (kleine geometrische Unschärfe!) führten zur Entwicklung der Drehanodenröhren. Durch die Rotation der Anode wird die Erwärmung auf eine größere Fläche verteilt als bei Festanodenröhren.
Kathode
Die Kathode ist die Quelle der Elektronen. Diese werden vom Glühfaden emittiert. Zur Fokussierung der Elektronen, d. h. zur Bildung eines scharf begrenzen Brennnflecks auf der Anode, enthält die Kathode die Wehnel-Elektrode (auch: Wehnelt-Zylinder). Die Heizspannung für die G1ühwendel liefert ein Heiztransformator, der im Hochspannungserzeuger eingebaut ist. Die Zuleitung zum Strahler erfolgt mit dem kathodenseitigen Hochspannungskabel. Bei Einkesselgeneratoren entfallen die Hochspannungskabel; die elektrischen Leitungen zwischen Hochspannungserzeuger und Röhre sind dann von außen nicht sichtbar.
Die G1ühwendel glüht wie die Wendel einer G1ühlampe und emittiert dabei Elektronen und zwar um so mehr, je höher ihre Temperatur ist. Die Elektronen bilden den Röhrenstrom der Röntgenröhre. Die Heizleistung bestimmt also die Größe des Röhrenstroms und damit die Quantität (Dosisleistung) der Röntgenstrahlung.
Anwendungen
Medizin
Eine Untersuchung mittels Röntgenstrahlen wird hauptsächlich im Rahmen der medizinischen Diagnostik durchgeführt. Bei Verdacht auf Knochenbrüche, Krebserkrankungen, Fremdkörper oder Anomalien im Gefäßsystem des Menschen kann eine Röntgen-Untersuchung einen ersten Hinweis liefern oder bereits eine deutliche Diagnose ermöglichen. Im Prinzip kann jede Region des Körpers geröntgt werden, wobei die Qualität und Aussagekraft des jeweiligen Bilds stark von der Dichte des untersuchten Gewebes abhängt. Die korrekte Ausrichtung von zu untersuchendem Organ und Röntgengerät spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Qualität des Bilds.
Materialprüfung
Die radiologische Prüfung findet dann Anwendung, wenn es gilt, makroskopische Fehler im Inneren der Werkstücke, wie Lunker, Gasblasen, Bindefehler an Schweißnähten u. a., festzuhalten. Das Verfahren ermöglicht die genaue Lage und Ausdehnung des Fehlers zu bestimmen und fotografisch festzuhalten. Röntgenstrahlung unterscheidet sich vom sichtbaren Licht durch ihre wesentlich kürzere Wellenlänge und damit höherer Energie, die eine Durchdringung fester Stoffe ermöglicht. Die Strahlung wird dabei geschwächt. Kurzwellige, d. h. harte Strahlen sind durchdringungsfähiger als langwellige weiche Strahlen. Deshalb lassen sich mit Gammastrahlung (harte Strahlen) dickere Werkstücke durchstrahlen. Die Größe der auf der Rückseite des durchstrahlten Werkstückes austretenden Strahlung ist abhängig von:
1. der Dicke
2. der Wellenlänge der Strahlung
3. der Art des Werkstoffes
Metallische Werkstoffe mit hoher Ordnungszahl sind deshalb nur gering durchstrahlbar (Blei, Wolfram). Die maximal durchstrahlbare Dicke von Eisenwerkstoffen beträgt mit Gammastrahlung 200mm, mit Röntgenstrahlung 100mm. Prüftechnik und Aufnahmeprinzip sind bei Röntgen- und Gammaprüfung identisch. Die aus dem Prüfling austretende, geschwächte Strahlung trifft auf eine doppelt beschichtete Filmfolie und die Imtensitätsunterschiede der ausgetretenen Strahlung setzen sich in Schwärzungsunterschiede des Films um. Das Auflösungsvermögen wird mit Drähten definierter Dicke oder Stufenkeilen ermittelt.
Sicherheit
Schon seit geraumer Zeit wird die Röntgentechnologie auch in Gepäckscannern an Flughäfen eingesetzt, um die Gefahr eines Bombenanschlages zu verringern. Neuer sind da die Ganzkörper-Röntgen-Scanner, die den ganzen Menschen abscannt und alles was er bei sich trägt.
Auch das Röntgen ganzer Lkws ist möglich, um Ladungen zu überprüfen.Gefahren
Die Röntgenstrahlung wirkt auf den Menschen schädigend ein, indem Gewebe -und damit auch Organe- irreversibel verändert, wenn nicht zerstört werden. Auch das Blut kann geschädigt werden. Verheerend ist die krebserregende und erbgutschädigende Wirkung, wobei sich die einzelnen, im Laufe des Lebens erhaltenen Strahleneinwirkungen (Strahlendosen) addieren und sich nach dem heutigen Stand der Medizin nicht beseitigen lassen. Grundsätzliche Maßnahmen für den Strahlenschutz sind:
- möglichst großer Abstand von der Strahlenquelle
- geeignete Abschirmung
- Begrenzung der Aufenthaltszeit
In der Röntgenverordnung sind alle einzuhaltenden Sicherheitsbestimmungen grundlegend festgelegt.
Messung von Röntgenstrahlung
Weblinks
- Röntgenstrahlung als Google-Suchbegriff
- Röntgenstrahlung in der Wikipedia
- Röntgenstrahlung hier in bs-wiki.de mit Google
- Röntgenstrahlung als Youtube-Video
- Egon Becker: Grobstrukturprüfung mittels Röntgenstrahlung
- H. Krischer- Röntgenfeinstrukturanalyse
- Hoxter/ Schenz: Röntgenaufnahmetechnik
- Manfred Wolf: Röntgen-Generatoren